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Eine wöchentliche Praxis aus Gebet und Meditation für den Frieden

LEITFADEN · STILLES GEBET

Kontemplatives Gebet

Von Aurel · Aktualisiert am · 4 Min. Lesezeit

Bild: KI-generiert für Cosmic Peace Prayers

Kontemplatives Gebet ist Beten mit wenigen oder ganz ohne Worte. Statt etwas zu erbitten oder einen Text aufzusagen, ruhst du in Stille und Aufmerksamkeit, offen für Gott, für das Heilige oder einfach für das, was ist. Es ist eine der ältesten Formen des Gebets und eine der einfachsten, um anzufangen.

Kurz gesagt: Setz dich still hin, lass ein Wort oder den Atem dein Anker sein, und wenn Gedanken kommen, kehr sanft zum Anker zurück. Acht Minuten reichen für den Anfang.

Was ist kontemplatives Gebet?

Die meisten Gebete bestehen aus Worten: Wir danken, bitten, loben oder klagen. Das kontemplative Gebet geht einen Schritt weiter und lässt die Worte los. Die christlichen Mystiker nannten es „Ruhen in Gott“. Andere Traditionen sprechen von Stille, Gegenwart oder reiner Aufmerksamkeit. Gemeinsam ist allen der Weg vom Reden zum Hören.

Kontemplation ist keine Technik, um den Kopf leer zu machen. Gedanken kommen, und das ist in Ordnung. Die eigentliche Übung ist das Zurückkehren: Jedes Mal, wenn du merkst, dass du abgeschweift bist, kommst du zurück, ohne dich zu verurteilen.

Woher es kommt

Kontemplatives Gebet, Herzensgebet und Centering Prayer

Centering Prayer ist eine moderne Form des kontemplativen Gebets. Entwickelt wurde es in den 1970er-Jahren von den Trappistenmönchen William Meninger, Basil Pennington und Thomas Keating in der St. Joseph's Abbey in Spencer, Massachusetts. Man wählt ein kurzes „heiliges Wort“, etwa Friede, Liebe oder Abba, und kehrt immer dann ganz sanft zu ihm zurück, wenn man Gedanken bemerkt. Empfohlen werden zweimal täglich zwanzig Minuten.

Das Herzensgebet verbindet einen kurzen Gebetssatz mit dem Atem. Im deutschen Sprachraum ist es unter anderem durch die „Aufrichtigen Erzählungen eines russischen Pilgers“ bekannt geworden.

Kontemplatives Gebet ist also der Oberbegriff für das ganze stille, empfangende Beten. Herzensgebet und Centering Prayer sind zwei bestimmte Wege darin.

Kontemplation und Meditation

Von außen sieht beides gleich aus: Jemand sitzt still. Der Unterschied liegt in der Richtung. Meditation, gerade in ihren weltlichen Formen, schult vor allem die Aufmerksamkeit selbst. Kontemplatives Gebet versteht die Stille als Beziehung, zu Gott oder zu etwas Größerem als man selbst. Viele Menschen bewegen sich frei zwischen beidem. Unsere Sonntagspraxis lädt zu beidem ein: beten oder meditieren, wie du magst.

So beginnst du: acht Minuten kontemplatives Gebet

  1. Wähl eine Zeit und einen Ort. Sonntag um 20 Uhr ist ein guter Anker, weil andere im selben Moment still werden.
  2. Wähl einen Anker. Ein Wort (Friede, Shalom, Salam, Shanti) oder deinen Atem.
  3. Setz dich bequem hin, der Rücken aufrecht, die Augen geschlossen oder gesenkt.
  4. Ankommen. Ein langsamer Atemzug. Sprich dein Wort einmal innerlich.
  5. Ruhen. Lass die Stille da sein. Wenn Gedanken kommen, bemerk sie und kehr zu deinem Wort zurück, so leicht wie eine Feder, die auf Watte fällt.
  6. Weiten. In den letzten Minuten bring einen Menschen in Gedanken, dann deine Stadt, dann die Welt. Halte sie in derselben Stille.
  7. Abschließen. Einen Moment still bleiben, dann ein kleines Dankeschön.

Eine leise Glocke hilft, damit du nicht auf die Uhr schauen musst. Der Acht-Minuten-Timer auf unserer Startseite läutet zu Beginn und am Ende.

Typische Schwierigkeiten

„Mein Kopf hört nicht auf.“ Das muss er nicht. Das Zurückkehren ist das Gebet. Eine Sitzung mit hundert Rückkehren ist keine misslungene Sitzung.

„Ich spüre nichts.“ Die kontemplativen Traditionen betonen, dass Gefühle nicht der Maßstab sind. Johannes vom Kreuz hat ausführlich über Zeiten der Trockenheit geschrieben. Halte den Termin trotzdem.

„Ich habe keine Zeit.“ Acht Minuten einmal pro Woche sind ein echter Anfang. Von dort kann es wachsen.

Häufige Fragen zum kontemplativen Gebet

Was ist kontemplatives Gebet in einfachen Worten?

Stilles Gebet, in dem du aufhörst zu reden und einfach in Aufmerksamkeit ruhst, auf Gott oder auf den Augenblick, und sanft zurückkehrst, wann immer deine Gedanken abschweifen.

Ist kontemplatives Gebet biblisch?

Christen, die es üben, verweisen auf Verse wie „Seid stille und erkennet, daß ich Gott bin!“ (Psalm 46,11, Luther 1912) und darauf, dass Jesus sich zum Beten allein zurückzog. Die Form selbst hat die spätere christliche Tradition geprägt, von den Wüstenvätern bis zu den Trappisten.

Wie lange sollte kontemplatives Gebet dauern?

Beim Centering Prayer sind es traditionell zweimal täglich zwanzig Minuten. Für den Anfang reichen acht Minuten. Regelmäßigkeit zählt mehr als Länge.

Kann ich kontemplativ beten, ohne Christ zu sein?

Ja. Stille, empfangende Aufmerksamkeit gibt es in vielen Traditionen, und Menschen ohne Religion können sie als Stille üben. In unserem Sonntagskreis betet oder meditiert jeder auf seine Weise. Mehr Gebete aus verschiedenen Traditionen findest du beim Friedensgebet.