Es gibt Wochen, in denen die Nachrichten schwer auf der Brust liegen und man nicht weiß, wohin damit. Ein Gebet oder eine kurze Meditation für den Frieden löst nichts auf einen Schlag. Aber sie gibt der Sorge einen Ort und deinen Händen etwas Ruhiges zu tun. Hier findest du kurze Worte und einen einfachen Weg in acht Minuten.
Kurz gesagt: Du brauchst keine großen Worte. Ein Satz, langsam gesprochen, und danach Stille genügen. Jeden Sonntag um 20 Uhr Ortszeit halten Menschen auf der ganzen Welt dafür acht Minuten inne, jeder auf seine Weise.
Wenn die Nachrichten schwer sind
Wer mitfühlt, trägt mit. Das ist kein Fehler, aber es kann erschöpfen. Manche Menschen schauen dann immer weiter, andere schalten ab und fühlen sich schuldig dabei. Ein Gebet ist ein dritter Weg: Du wendest dich nicht ab, aber du hältst auch nicht alles allein.
Dieser Text nennt bewusst keine Länder und keine Konflikte. Frieden gehört nicht einer Seite. Wer betet, kann alle meinen, die unter Gewalt leiden, wo auch immer, und auch alle, die Gewalt ausüben und selbst davon verwundet sind. Was du dabei fühlst, darfst du fühlen: Wut, Angst, Ohnmacht, Traurigkeit. Das Gebet muss nichts davon glätten.
Kurze Gebete für schwere Tage
Die folgenden Worte sind unsere eigenen Formulierungen. Du kannst sie ändern, kürzen oder durch Worte deiner Tradition ersetzen.
Ein Gebet in einem Atemzug
Friede im All,
Friede in mir,
Friede im Hier.
Das ist das Gebet, mit dem Cosmic Peace Prayers jeden Sonntag beginnt. Es lässt sich in einem Atemzug sprechen, in der Bahn, am Küchentisch, vor dem Einschlafen.
Für alle, die leiden
Für alle, die heute Angst haben:
Möge ein sicherer Ort sie finden.
Für alle, die heute trauern:
Möge jemand bei ihnen sein.
Für alle, die heute helfen:
Möge ihre Kraft nicht ausgehen.
Ein Gebet für das eigene Herz
Ich bin müde von den Bildern.
Ich lege sie für einen Augenblick ab.
Ich bleibe nicht hart und nicht taub.
Möge mein Herz weich bleiben und mein Handeln klar.
Aus den Psalmen
Laß vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach.
Psalm 34,15 in der Übersetzung Martin Luthers (Fassung 1912). Frieden wird hier als etwas beschrieben, dem man nachgeht. Weitere Gebete aus verschiedenen Traditionen findest du auf der Seite zum Friedensgebet.
Auch für Menschen, mit denen du nicht einverstanden bist
Das ist der schwerste Teil, und du musst ihn nicht am ersten Tag gehen. Für einen Menschen zu beten, heißt nicht, ihm Recht zu geben oder zu billigen, was er tut. Es heißt nur: Auch dieser Mensch soll nicht in Hass gefangen bleiben. Ein schlichtes Gebet dafür:
Für den, den ich nicht verstehe,
für den, dem ich nicht zustimme:
Möge sein Herz zur Ruhe kommen.
Möge er Frieden finden, damit er Frieden schaffen kann.
Wenn dir das heute zu viel ist, lass es weg. Ehrlichkeit ist wichtiger als Vollständigkeit. Eine ähnliche Übung, die Schritt für Schritt vom eigenen Herzen nach außen geht, ist die Metta-Meditation.
Ein einfacher Weg in acht Minuten
Du kannst die Sonntagspraxis auch allein und zu jeder anderen Zeit machen. Wenn du dich am Sonntag um 20 Uhr dazusetzt, bist du mit anderen Menschen verbunden, die gleichzeitig dasselbe tun. Der Timer auf der Startseite läutet eine leise Glocke zu Beginn und am Ende.
- Ankommen (1 Min). Setz dich hin. Leg das Handy mit dem Display nach unten weg. Ein langsamer Atemzug.
- Spüren (1 Min). Wo trägst du heute die Schwere? Nimm es wahr, ohne es zu bewerten.
- Das Gebet (2 Min). Sprich langsam eines der Gebete oben, einmal laut, einmal still.
- Die Betroffenen (1 Min). Denk an Menschen, die jetzt Angst haben oder Verluste tragen. Keine Bilder, nur ein Gedanke: Mögen sie sicher sein.
- Der schwierige Mensch (1 Min). Wenn du kannst: ein Wunsch für einen Menschen, mit dem du nicht einverstanden bist.
- Stille (1 Min). Sitz in dem, was bleibt.
- Abschluss (1 Min). Ein langer Atemzug und ein kleines Dankeschön für diese acht Minuten.
Und danach
Ein Gebet ersetzt kein Handeln, und Handeln ersetzt kein Gebet. Viele Menschen finden, dass beides zusammengehört: ein Moment der Stille, dann der nächste kleine Schritt, etwa Hilfe leisten, zuhören oder friedlich sprechen, wo es möglich ist. Wenn dir die Nachrichten zu viel werden, darfst du Pausen machen. Bei starker Belastung such dir bitte Gespräche mit Menschen, denen du vertraust, oder professionelle Hilfe.
Mehr zur Praxis findest du auf der Seite zum Weltfrieden und bei den Hinweisen zum inneren Frieden. Wenn du jeden Sonntag eine kurze Erinnerung möchtest, abonniere den Sonntagsbrief.
Fragen
Kann ein Gebet in Kriegszeiten etwas bewirken?
Wir machen keine Wirkungsversprechen. Sicher ist: Manche Menschen erleben, dass ein Gebet ihrer Sorge eine Form gibt. Ob es darüber hinaus trägt, darf jeder für sich entscheiden.
Darf ich auch für Menschen beten, mit denen ich nicht einverstanden bin?
Ja. Für einen Menschen zu beten heißt nicht, ihm zuzustimmen. Es heißt, ihm zu wünschen, dass sein Herz zur Ruhe kommt. Wenn dir das heute nicht gelingt, lass diesen Schritt weg.
Muss ich gläubig sein, um für den Frieden zu beten?
Nein. Du kannst dieselben Worte als Gebet, als Wunsch oder als Absicht sprechen. Menschen ohne Religion sind genauso willkommen wie Menschen jeder Tradition.
Welches kurze Gebet für den Frieden eignet sich für schwere Tage?
Zum Beispiel: „Friede im All, Friede in mir, Friede im Hier.“ Es lässt sich in einem Atemzug sprechen und mehrfach wiederholen.
Was tun, wenn mich die Nachrichten zu sehr belasten?
Mach Pausen, begrenze die Zeit mit den Nachrichten und sprich mit Menschen, denen du vertraust. Bei starker Belastung such dir professionelle Hilfe. Das Gebet ist ein Angebot, keine Pflicht.
