Interreligiös zu beten bedeutet nicht, dass alle dasselbe sagen. Es bedeutet, dass Menschen verschiedener Traditionen zur gleichen Zeit für denselben Wunsch beten, jeder in der eigenen Sprache und mit den eigenen Worten. Hier findest du respektvolle Leitlinien, eine einfache Form für acht Minuten und einen Blick auf ein bekanntes Beispiel.
Kurz gesagt: Jeder betet in der eigenen Tradition, die anderen hören zu oder schweigen. Nichts wird vermischt, nichts wird bewertet. Verbunden ist man durch die gleiche Zeit und den gleichen Wunsch: Frieden.
Nebeneinander statt vermischt
Das Wichtigste vorweg: Gemeinsam für den Frieden zu beten heißt nicht, die Unterschiede zwischen den Religionen zu leugnen. Ein jüdisches Gebet ist ein jüdisches Gebet, ein muslimisches Gebet ist ein muslimisches Gebet, und ein buddhistischer Wunsch ist kein christlicher Segen. Wer Texte mischt, überschreibt oft das, was ihnen heilig ist.
Besser ist die Form des Nebeneinanders. Jede Tradition kommt mit ihren Worten zu Wort, die anderen hören respektvoll zu. Am Ende steht, wenn es passt, ein Moment gemeinsamer Stille, den alle auf ihre Weise füllen. Frieden heißt in vielen Sprachen anders, hebräisch Shalom, arabisch Salam, Sanskrit Shanti, lateinisch Pax. Die Worte sind verschieden, und das darf so bleiben.
Ein Beispiel: Assisi 1986
Ein bekanntes Beispiel ist das Weltgebetstreffen für den Frieden in Assisi. Papst Johannes Paul II. hatte es einberufen, es fand am 27. Oktober 1986 statt. Vertreter christlicher Kirchen und anderer Religionen kamen zusammen, um für den Frieden zu beten. Sie beteten dabei nicht gemeinsam in einem einzigen Text, sondern nacheinander, jede Gemeinschaft in der eigenen Form, während die anderen zuhörten. Diese Art, nebeneinander zu beten, wird oft als Vorbild für interreligiöse Friedensgebete genannt. Wir nennen es als Beispiel für die Form. Cosmic Peace Prayers ist keine Kirche und gehört keiner an.
Leitlinien für respektvolles Beten
- Bleib bei deiner Tradition. Bete in den Worten, die für dich stimmen. Du musst nichts sagen, was du nicht meinst.
- Höre zu, ohne zu bewerten. Wenn jemand anders betet, ist es nicht deine Aufgabe, es zu beurteilen oder zu vergleichen.
- Sprich nicht für andere. Sag „ich bete“ und nicht „wir alle glauben“.
- Kein Bekehren. Ein Friedensgebet ist keine Werbung für eine Religion.
- Keine fremden Rituale nachspielen. Du darfst zuschauen und mitfühlen, ohne ein Ritual zu übernehmen, das nicht deines ist.
- Auch Menschen ohne Religion gehören dazu. Für sie ist ein stiller Wunsch ein vollwertiger Beitrag.
- Keine Politik. Es geht um den Frieden, nicht um Parteien oder Lager.
Was jede Tradition beitragen kann
Viele Traditionen haben einen kurzen Satz für den Frieden, den man gut allein oder in einer Runde sprechen kann. Eine kleine Auswahl, mehr davon findest du auf der Seite zum Friedensgebet:
- Christlich: das Gebet, das dem Franz von Assisi zugeschrieben wird, siehe Friedensgebet des Franz von Assisi.
- Jüdisch: Oseh shalom bimromav, „Der in seinen Höhen Frieden stiftet, er stifte Frieden für uns“.
- Muslimisch: Allahumma anta as-salam wa minka as-salam, „O Gott, du bist der Friede, und von dir kommt der Friede“.
- Hinduistisch: Om shanti, shanti, shanti, dreimal Frieden.
- Buddhistisch: sabbe sattā sukhitā hontu, „mögen alle Wesen glücklich sein“ (gebräuchliche Kurzform, nicht wörtlich aus dem Sutta), mehr dazu bei der Metta-Meditation.
- Ohne Religion: „Ich halte acht Minuten inne und wünsche allen Frieden.“
Die deutschen Wiedergaben der älteren Sprachen sind unsere eigene Übertragung.
Acht Minuten, gleichzeitig, jeder auf seine Weise
Genau das ist die Idee von Cosmic Peace Prayers: Jeden Sonntag um 20 Uhr Ortszeit halten Menschen in vielen Zeitzonen acht Minuten inne. Niemand muss sich anmelden, niemand muss etwas glauben. So kannst du es mit Menschen anderer Tradition zusammen tun, auch in einer kleinen Runde:
- Ankommen (1 Min). Alle setzen sich. Eine Person spricht ein, zwei Sätze zur Begrüßung. Dann Stille.
- Reihum (4 Min). Jeder spricht ein kurzes Gebet oder einen Wunsch in der eigenen Tradition, eine Minute pro Person. Wer nichts sprechen möchte, bleibt still. Die anderen hören nur zu.
- Gemeinsame Stille (2 Min). Alle schweigen, jeder auf seine Weise.
- Abschluss (1 Min). Ein ruhiger Satz für alle, etwa „Friede im All, Friede in mir, Friede im Hier.“ Wer will, spricht ihn mit.
Wenn mehr als vier Personen dabei sind, kürze die einzelnen Beiträge (mehr zur Praxis auf der Seite zum Weltfrieden). Einen Timer mit leiser Glocke findest du auf der Startseite. Und wer nicht in einer Runde sitzt, ist trotzdem dabei: Allein zu beten, während andere es weltweit zur gleichen Zeit tun, ist ebenfalls ein gemeinsames Gebet. Mit dem Sonntagsbrief bekommst du jede Woche eine Erinnerung.
Fragen
Was ist ein interreligiöses Gebet?
Ein Gebet, bei dem Menschen verschiedener Religionen zur gleichen Zeit für ein gemeinsames Anliegen beten, etwa den Frieden. Jede Tradition spricht dabei in ihren eigenen Worten.
Muss ich dafür meine eigene Tradition aufgeben?
Nein, im Gegenteil. Interreligiös zu beten heißt, in der eigenen Tradition zu bleiben und den anderen zuzuhören. Niemand muss Worte sprechen, die er nicht meint.
Was war das Weltgebetstreffen in Assisi 1986?
Papst Johannes Paul II. berief für den 27. Oktober 1986 ein Weltgebetstreffen für den Frieden nach Assisi ein. Vertreter verschiedener Religionen beteten dort für den Frieden, jede Gemeinschaft in ihrer eigenen Form.
Dürfen Menschen ohne Religion mitmachen?
Ja. Ein stiller Wunsch für den Frieden ist ein vollwertiger Beitrag. Cosmic Peace Prayers ist offen für alle Traditionen und für Menschen ohne Religion.
Wie kann ich mit anderen gleichzeitig für den Frieden beten?
Zum Beispiel jeden Sonntag um 20 Uhr Ortszeit: acht Minuten Gebet oder Meditation, allein oder in einer kleinen Runde. Viele Menschen in vielen Zeitzonen tun dasselbe.
